1979/80: Grenzausbau-Minenräumkommando II.GB Heldburg

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  • Im GR-9 in Meiningen absolvierte ich meine Grundausbildung und die Militärkraftfahrerausbildung. Danach kam ich ins II. GB Heldburg in die 6.GK Einöd. Dort waren wir als kleiner Pioniertrupp (5 Leute) untergebracht.
    Mein LKW war ein W 50, der ja so nicht zu den Grenzern paßte. Wir wurden auch nie für den Grenzdienst eingesetzt und waren dafür auch nicht ausgebildet.


    Gleich Anfang März 1979 begannen wir mit der Vorbereitung zum Aufbau einer Zeltstadt in Heldburg. Es waren dann auch ca 5 PIK`s stationiert. Ich glaube es waren ca 500 Leute.


    Heldburg PiK-15 GR-9 1979 @Egon Hammerschmidt.jpg

    Feuerwerker - PiK-15 1979 Stab


    Ich gehörte zum Stab und wurde für unterschiedliche Tätigkeiten eingesetzt. Ich fuhr z.B. den gesamten Sprengstoff für die PIKs. Das Zeltlager habe ich dann auch als Letzter mit verlassen (Ende Oktober 1979).
    Es wurde ein komplett neuer Grenzzaun 1 mit Sperrgraben und Kolonnenweg gebaut.


    Von November 1979 bis eine Woche vor Weihnachten war ich endlich wieder in einem festen Gebäude (6.GK Einöd). Ich hatte mich dann über ganz einfache Sachen gefreut z.B. warm Duschen, ein richtiger WC, keine klammen
    Klamotten, kein Fußpilz mehr usw. Ich dachte natürlich, daß ich als EK Weihnachten Urlaub bekomme. Aber leider wurde ich in die Hölle nach GR-3 Dermbach, II.GB Kaltensundheim in die 6.GK Frabkenheim kommandiert.
    Ich kam mit Sack und Pack und Kaschi kurz vor Weihnachten dort an. Die Grenzer räumten eine Garage, damit mein W 50 immer gefechtsbereit war. Es kamen noch 3 Soldaten und ein Unteroffizier dazu.
    Wir waren der GK nicht unterstellt. Unser Ufz bekam jeden Tag telefonisch den jeweiligen Befehl.


    Ich war natürlich nicht im Point Alpha. Die Gegend wurde nur so genannt, weil die GI "Black Hors" gleich gegenüber waren. Wir durften die Amis auch kennenlernen. Es gab jeden Tag Provokationen mit Ihrem
    scheiß Hubschrauber und Ihren Waffen. Ich hatte noch nicht erwähnt, daß wir die ehrenvolle Aufgabe hatten den Grenzzaun 1 teilweise bzw. vollständig von SM 701 zu befreien.
    Am Heiligabend mußten wir bei Frankenheim die unterste Minenreihe räumen, weil sie vom Schnee eigeweht war und die Anlage abgeschaltet werden mußte. "Die Sicherheit geht natürlich vor."
    Wir hatten Probleme die Zünder aus den Minen zu bekommen un sind erst um 14 Uhr fertig geworden. Die Amis sind um 11 Uhr weggeflogen. Das war natürlich ein tolles Weihnachtsfest.

    Belastend war natürlich auch, daß wir die Kaschi mit 60 Schuß zum Arbeiten mitnehmen mußten. Bei Geisa haben wir dann bis Ende März 1980 einige Kilometer komplett geräumt.
    Es gab da wohl ein politisches Abkommen dazu. Ich weiß bis heute nicht, warum kein MRK (Minenräumkommando) eingesetzt wurde. Ich glaube es gab Angst vor Zwischenfällen.
    Unser Trupp war sehr konzentriert und auch alle mit ähnlichen Eigenschaften und Fähigkeiten.


    4 Tage vor Entlassung durfte ich wieder in die 6.GK Einöd. Ich mußte an meinem LKW auch keine Umstellung machen. Am Abend vor der Entlassung habe ich dann mein gesamtes Lametta mit Auszeichnungen den
    Treppenaufgang hinunter geworfen. Der Kompaniechef war der Meinung mich zu bestrafen, wegen Mißachtung militärischer Ehrenzeichen und Auszeichnungen.
    Der technische Offizier ein alter Major hat mich dann doch noch gerettet.
    "Genosse Gefreiter gehen Sie zu Bett und morgen nach Hause. Ich weiß wo Sie herkommen."

    Ich hatte noch nach 20 Jahren Alpträume von GIs und Hubschraubern.

    Du wolltest ja ,daß ich erzähle.

    Schönen Abend Porsche


    Hallo,

    ich habe die angenehmen Sachen vergessen. Wir hatten natürlich den höchsten Verpflegungssatz und mehr Freiheiten als die Grenzer.
    Durch die Gefahrenzuschläge (9 bis 12 DDR-Mark pro Tag) war unser Sold auch ganz gut.
    Des weiteren wurden wir nicht zur Reserve gezogen und mußten auch nicht Mitglied der Arbeiter-Kampfgruppen werden.
    Wir erhielten dafür einen kleinen Zettel, einen sogenannten "ständigen Einberufungsbefehl M".

    Ich habe diesen ständigen Einberufungsbefehl immer noch.

    Einberufungsbefehl: Einberufung Befehl M - Minenfelder Spezialist.pdf

    Ich hoffe nur, daß er für die Bundesrepublik nicht gilt. Spezialkräfte lebenslang?!

    Schönen Abend Porsche


    Guten Morgen,

    ich sehe das schon etwas anders. Mir wurden 18 Monate meines Lebens geraubt. Ich hatte die Nase auch ziemlich voll und bestimmt 10 jahre nicht darüber gesprochen. Mit Angst umzugehen lernst du nicht in 2 Tagen.

    Ich war 19/20 Jahre alt und hatte, wie jeder einen Eid geschworen. Nur haben wir uns damals auch daran gehalten. Wenn Du mal die Geschichte verfolgst merkst Du, daß oft sehr junge Leute verheizt wurden.
    Die Risikobereitschaft ist ganz einfach höher. Es wurde auch keiner gefragt zu welcher Einheit er möchte. Ich habe mich nicht freiwillig gemeldet. Irgendwie wurda man ausgesucht.
    Wenn jemand in dieser Zeit des kalten Krieges "Feindberührung" hatte, glaubte er schon den Frieden mit zu sichern.
    Jetzt läßt sich alles so darstellen wie es gewünscht wird. Übrigens war ich auch kein Angehöriger des MfS. Wir wurden aber oft beobachtet, denn wir hätten jeden Tag abhauen können.

    Meinen ständigen Einberufungsbefehl sende ich Dir zu. Wir müssen erst noch vergrößern. Ich verstoße aber jetzt gegen die Geheimhaltung Punkt 6.a).

    Ich hoffe Du verrätst mich nicht!

    Schönen Tag Porsche


    Seine Zeilen schildern, das nicht alles nach Befehlen oder Anordnung gemacht wurde.

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