Fliegerhorst-Kaserne Nordhausen

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    • Offizieller Beitrag

    Fliegerhorst-Kaserne
    Lage: Darrweg 42
    Bauzeit: 1934/37
    Bauherr: Deutsche Wehrmacht
    Nutzung:
    1937 - 1940 III.Gruppe Kampfgeschwader 4 "General Wever"
    1940 - 1945 keine feste Belegung
    1945 - 1946 Rote Armee
    1947 - Übergabe an Land Thüringen

    • parzellenweise privat- und landwirtschaftliche Nutzung
    • Verwendung verbliebener Wohnbebauung für private Zwecke
    • später Industrie- und Gewerbeansiedlung

    1957 - 1962 3.Grenzpolizeibereitschaft
    1962 - 1971 Grenzregiment 5
    1971 - 1977 US Egon Schulz (Außenstelle Glöwen/Perleberg)
    1978 - 1984 Fähnrichschule (Außenstelle Plauen)
    1984 - 1990 Hubschrauberstaffel 16
    1990 - Übernahme Bundeswehr
    1991 - Nordwestteil Polizeidienstelle


    Bau- und Nutzungsgeschichte


    Dem ab 1934 südlich der Stadt und jenseits des Bahnhofgeländes eingerichteten Fliegerhorst der Luftwaffe geht die mehr als zwanzig Jahre früherer einsetzende Geschichte der Fliegerei in Nordhausen voraus. Bereits 1911 existierte südlich des heutigen Darrwegs ein Flugfeld von etwa 400x400 m auf gepachteten Gelände. Erste Pläne zur Erweiterung zum festen Flugplatz entstanden 1912.1 Parallel dazu konkretisiert sich die Einrichtung eines Flugstützpunktes, die mit dem Bau einer Flugzeugfabrik durch die Berliner Rumpler-Luftfahrgesellschaft einhergehen sollte. Ebenso waren Hallen für die ständige Stationierung von 10 bis 12 stets Flugbereiten Apparaten vorgesehen. Hinter allem verbargen sich letztlich militärische Aktivitäten, die verdeckt vorangetrieben wurden und zur Ausbildung von jährlich 40 Flugschülern zum Ziel hatten. Die Stadt kamen dieser Vorstellung entgegen, wenn gleich es sich noch nicht um die Einrichtung eines militärischen Flugfeldes handelte.²
    Insgeheim erhoffte sie sich dennoch die spätere Wiedereinrichtung einer Garnison, nachdem der letzte fest stationierte Soldat Nordhausen 1848 verlassen hatte.
    Während der Flugstützpunkt im September 1914 in Betrieb genommen werden konnte, zerschlugen sich die Verhandlungen um die Errichtung einer Flugzeugfabrik zunächst.³ Erst 1917 kam mit der Kondor-Flugzeugwerken, die mittlerweile an der Südseite des Darrweges eine Flugzeugwerft errichtet hatten, ein Vertrag über die Einrichtung einer Fliegerschule zustande. Während der Ausbildungsvertrag 1919 aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrages aufgehoben werden musste, gelang es 1921/22, die Industrieanlage mit einem Gleisanschluss zu versehen.4


    Die vorhandene Infrastruktur mag maßgebend dafür gewesen sein, dass 1928/29 hier unter dem Vorwand der Verdichtung des zivilen Luftverkehrs ein "Flugverkehrslandeplatz" geschaffen werden konnte, bevor 1934 ein Vertrag mit dem Luftkreiskommando III "aufgrund der Verhandlung mit Berlin" zustand kam.
    Wenn auch nicht erhalten, war jener doch Anlass dafür, die bestehende Nutzungsvereinbarung mit dem Deutschen Luftsportverband zu Kündigen, " da der Platz anderweitig verfügt" sei. Mit der Bauleitung Nordhausen der Deutschen Verkehrsfliegerschule, einer Tarneinrichtung der im Endstehen begriffene Luftwaffe, zog wenig später das für den Ausbau zum Fliegerhorst örtlich verantwortliche Planungsbüro auf dem Gelände.5
    Aufgabe eines Fliegerhorst als Friedensstandort eines Einsatzverbandes war es, nicht nur die Anlagen für Start und Landung der Maschinen bereit zu stellen, sondern auch die Truppe in festen Unterkünften unterzubringen, sie zu versorgen sowie die technische Einsatzfähigkeit der Flugzeuge und Munitionierung sicherzustellen. Jede Staffel sollte eine Halle mit Hallenvor- und Rollfeld zur Verfügung stehen, in Werften und sonstigen Werkstätten war die Instandsetzung sicherzustellen. Eine gute Straßen- und Eisenbahnanbindung sowie die Nachrichtentechnische Ausstattung ergänzten die Einrichtung.6 Zur Koordinierung aller daraus entstehenden Aufgaben wurden den ortsgebundenen Kommandanturen eingerichtet, hier in Nordhausen die Fliegerhorstkommandantur 32/III.


    Auf einem rund 160 Hektar großen, von der Bahn bis an die Helme und vom Sportstadion bis zur heutigen B4 reichenden Areal entstand ab Ende 1934 in mehrjähriger Arbeit der Fliegerhorst Nordhausen für die III.Gruppe des Kampfgeschwaders 253, das 1938 die Nummer 4 und den Beinamen "General Wever" in Erinnerung an den tödlich verunglückten ersten Generalstabschef der Luftwaffe erhielt. Das Gelände wurde dem Fiskus unentgeltlich, schulden- und lastenfrei überlassen unter dem Vorbehalt der Rückübereignung bei Nutzungsaufgabe.7
    Nördlich des Darrwegs, im Ostteil des Platzgebietes auch südlich davon, entstanden ausgedehnte, weitläufige Unterkunftsbereiche. Alle technischen Anlagen, einschließlich vier Flugzeughallen, einer Werft und des Kommandogebäudes, wurden südlich davon errichtet, wo auch das unbefestigte Flugfeld lag. Im April 1937 wurde der Fliegerhorst in Betrieb genommen.8
    Der II.Weltkrieg ließ ein Teil der Gebäude und Einrichtung unbeschädigt zurück, sechs Wohngebäude wurden von den Sowjets bis Ende 1946 genutzt. Alles ihn brauchbare Erscheinende ließen sie vor ihrem Abzug entfernen, danach wurde der frühere Kasernenbereich nördlich des Darrweges Anfang 1947 an das Land Thüringen übergeben. Die Stadt lehnte eine Übernahme der verbliebenen 21 Gebäude auf einer Gesamtfläche von 15,6 Hektar wegen finanzieller Überforderung jedoch ab und schlug statt dessen vor, das Angebotene Areal zu pachten oder zu mieten und zu verwalten.9 In den im ostwärtigen Teil des Unterkunftsbereichs, heute an der Friedrich-List-Straße gelegenen 4 Wohnhäusern > Bismarck, Blücher, Hindenburg, Stein < ließ sie Wohnungen einrichten, von den ende 1947 bereits 59 fertiggestellt waren. 1949 standen dort insgesamt 94 zur Verfügung.10
    Auf den Flugplatzgelände entstanden anfangs Kleingärten, später wurden die industrielle und gewerbliche Ansiedlung gefördert.11


    Baubeschreibung:
    Neben den bereits erwähnten vier Wohnhäusern und der früheren Ostwacht sind lediglich die Wache West, drei frühere Beamtenwohnhäuser, die ehemaligen Offizierswohnungen > Gneisenau, Moltke, Roon, Scharnhorst <, sowie das Offiziersheim im Westteil des Unterkunftsbereiches erhalten. Letztere werden heute von einer Polizeidienstelle genutzt, die sie nach 1990 von der aufgelösten [Grenz-]Hubschrauberstaffel 16 übernommen hat.
    Die vier Offizierswohnhäuser sind beiderseits der Langseiten eines vom Darrweg abgerückten, etwa Fußballfeld großen Freiplatz angeordnet. Das Offiziersheim wurde leicht erhöht an der Nordseite des Platzes errichtet, was ihm innerhalb der Gebäudegruppe eine dominante Stellung vermittelt. Verbunden werden alle Gebäude von einer davor verlaufenden, von der ehemaligen Wache-West ausgehenden schmalen Straße, deren Fahrbahnbreite lediglich für den Anliegerverkehr ausgelegt war. Unmittelbar nördlich des Darrweges stehen in einer Zeile die drei eingeschossigen ehemaligen Beamtenwohnhäuser, durch diese Bebauungsart wird der Blick auf den Offizierswohnbereich weitgehend verdeckt.


    Die zweigeschossigen Offizierswohnhäuser entsprechen dem bei der Luftwaffe allgemein geläufigen Bautypus des kleineren und übersichtlichen, massiv errichteten Unterkunftsgebäudes. Hier wurde die Größe durch die Belegung bestimmt. Beiderseits des zentralen Eingangbereiches schließen sich jeweils fünf Fensterachsen an, die durch das weglassen jeglicher Schmuckformen in den Putzfassaden ein einförmiges Bild vermitteln.
    Die Innenerschließung der früheren Kleinwohnungen mit je zwei Zimmern erfolgt über das zentrale Treppenhaus und die Nord-Süd-Achse verlaufenden Mittelkorridore. Diese Anordnung gewährleistet einen größtmöglichen natürlichen Lichteinfall in die beiderseits davon gelegenen Wohnbereiche sowie eine gute Belichtung der Flure.


    Das frühere Offiziersheim wird durch die künstlich erhöhte Lage des zweigeschossigen, mit einer Pfeilerhalle an der südlichen vorgelagerten Terrasse versehenen Baukörpers aus dem Essemblem hervorgehoben. 12 Die exponierte Lage wird durch eine breite Stufenanlage zum Freiplatz hin unterstrichen. Der durch einen nördlichen Anbau durchaus heterogene, verputzte Massivbau steht auf einem glatten Quadersockel und wird - wie alle Bauten jener Zeit - durch ein Walmdach abgeschlossen. Der hallenartige, über beide Geschosse reichende ehemalige Speisesaal wird von einem an der ostwärtigen Stirnseite gelegenen Eingang erschlossen. Vorgelagert ist ein Vestibül mit offenen Kamin. Die weitgehende erhaltene Innenausstattung entspricht dem Standard der Erbauungszeit und wirkt mit ihren Türverkleidungen, der Verwendung von Traventinplatten an Wänden und Fußböden entsprechend repräsentativ. Die Kaminhaube zeigt in einem Steinrelif einen als Kondor gedeuteten Vogel sowie Kämpfenden Bisons, was allgemein als Hinweis auf die Beteiligung von Angehörigen der Fliegendengruppe an der >Legion Condor< 1936/37 gedeutet wird. 13


    Das Offiziersquartier bildet das einzige erhaltene, in dieser Form errichtete Ensemble eines Fliegerhorstes der Luftwaffe in Thüringen.


    Anmerkung:
    1. Stadtarchiv Nordhausen
    2. Vgl. Jahrbuch des Deutschen Luftfahrerverbandes 1914
    3. Stadtarchiv Nordhausen DM II/125, Vol. I. BL. 33f
    4. Ebd. DM II/130 Bl. 1
    5. Zit. ebd. X 1066
    6. Vgl. LDv. g. 90/1
    7. Thüringer Hauptarchiv Weimar
    8. Mitteilung von H.M. Kromann, Nordhausen
    9. Thüringer Hauptarchiv Weimar
    10. Ebd. Bl.67, 119
    11. Technische Bereich gegenüber der dem Wohngebiet Friedensstraße waren 1953 beseitigt.
    12. Anordnung derartiger Elemente aus der >schauseite< scheint bei Luftwaffenbauten üblich zu sein.
    13. Forschungen zeigen, das nur weniger Angehörige im Spanieneinsatz der Luftwaffe beteiligt waren 1996



    - Militärbauten in Thüringen - Arbeitshefte des Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege Ausgabe 1998
    - Bundesarchiv-Militärarchiv in Freiburg im Breisgau, Ergänzt mit Informationen aus Unterlagen/Dokumenten und Zeitzeugen
    - invenio.bundesarchiv.de
    - Informationsweiterverwendungsgesetz §2

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